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Taxi Nürnberg: der Tarif seit Juni 2026 und was Fahrten wirklich kosten

Nürnberg hat seinen Taxitarif zum 1. Juni 2026 erneut angehoben. Einen Nachttarif gibt es nicht, feste Streckenpreise auch nicht – dafür einen teuren ersten Kilometer, einen Festpreis, der nur nach oben abweichen darf, und einen Pflichtfahrbereich, der bis Erlangen und Schwabach reicht.

Jonas Reinhardt
Jonas Reinhardt
25. September 2026
Hände eines Fahrers am Lenkrad eines gelben Taxis, auf dem Armaturenbrett ein Navigationsgerät
Foto: Tim Samuel / Pexels

Wer in Nürnberg ins Taxi steigt und nur einen Kilometer fährt, zahlt ziemlich genau zehn Euro. Das ist kein Zufall, sondern steht so in der Tabelle, die die Stadt ihrer Taxitarifordnung anhängt. Der erste Kilometer ist hier teuer, danach wird es in zwei Stufen günstiger, und am Ende landet Nürnberg bei längeren Strecken im Mittelfeld der deutschen Großstädte. Seit dem 1. Juni 2026 gilt ein neuer Tarif, der zweite in gut einem Jahr. Wer ihn einmal verstanden hat, kann den Preis für die Fahrt zur Messe oder zum Flughafen vorher auf einen Euro genau abschätzen.

Der Tarif seit 1. Juni 2026

Grundlage ist die Nürnberger Taxitarifordnung, zuletzt geändert durch eine Verordnung vom 12. Mai 2026. Der Stadtrat hat sie am 6. Mai beschlossen, veröffentlicht wurde sie im Amtsblatt Nr. 11 vom 20. Mai 2026. In Kraft getreten ist sie laut Verordnung „am Ersten des auf die Bekanntmachung im Amtsblatt folgenden Monats“, also am 1. Juni 2026. Die Preise:

  • Mindestfahrpreis: 4,90 Euro, darin ist eine Fahrleistung von 0,30 Euro enthalten
  • 1. Kilometer: 5,10 Euro
  • 2. bis 5. Kilometer: 2,70 Euro pro Kilometer
  • ab dem 6. Kilometer: 2,20 Euro pro Kilometer
  • Wartezeit: 40 Euro pro Stunde, das sind rund 67 Cent pro Minute

Das Taxameter springt in 30-Cent-Schritten. Auf dem ersten Kilometer kommt ein Schritt alle knapp 59 Meter, danach alle 111 Meter, ab dem sechsten Kilometer alle 136 Meter.

Zum Vergleich der Tarif, der seit Mai 2025 galt: 4,70 Euro Mindestfahrpreis, 4,90, 2,60 und 2,10 Euro pro Kilometer, 33 Euro Wartezeit pro Stunde. Der Kilometer ist also um 10 bis 20 Cent teurer geworden, die Wartezeit um gut ein Fünftel. Nach meiner eigenen Rechnung macht das auf zehn Kilometern rund anderthalb Euro aus, also etwa fünf Prozent. Einen weiteren, schon beschlossenen Tarifschritt, wie ihn etwa Dresden für Januar 2027 festgeschrieben hat, enthält die Nürnberger Verordnung nicht.

Was fehlt, ist genauso interessant. Nürnberg kennt keinen Nachttarif und keinen Sonntagszuschlag. Die Fahrt um vier Uhr morgens kostet exakt so viel wie die um vier Uhr nachmittags. Einen Flughafenzuschlag gibt es auch nicht, und das Tragen üblichen Reisegepäcks von der Haustür oder zum Bahnhofs- oder Flughafenzugang darf laut Verordnung ausdrücklich nichts extra kosten.

Die offizielle Preistabelle als Spickzettel

Ein Detail, das in keinem Taxirechner auftaucht: Die Stadt hängt ihrer Verordnung eine Tabelle an, nach der Fahrer einen Vorschuss verlangen dürfen. Sie ist nichts anderes als der Taxameterpreis für jede Strecke, in Zehntelkilometern bis zehn Kilometer und danach in ganzen Kilometern bis hundert. Ein paar Werte daraus:

StreckePreis laut Tabelle
1 km10,00 €
3 km15,40 €
5 km20,80 €
7 km25,20 €
10 km31,80 €
15 km42,80 €
20 km53,80 €
30 km75,80 €

Die Werte liegen ein paar Cent über der schlichten Formel, weil das Taxameter jeden angefangenen Schritt berechnet. Merken kannst du dir: zehn Euro für den ersten Kilometer, knapp 21 Euro für fünf, knapp 32 Euro für zehn, danach 2,20 Euro für jeden weiteren. Wartezeit im Stau kommt obendrauf.

Im Städtevergleich ist Nürnberg auf kurzen Strecken teuer und auf langen günstig. In Frankfurt liegt der Grundpreis bei rund 4 Euro und der Kilometer grob zwischen 2 und 2,60 Euro – was eine Taxifahrt in Frankfurt kostet, rechnet eine Frankfurterin dort ausführlich vor. Drei Kilometer kosten am Main also höchstens knapp zwölf Euro, in Nürnberg 15,40 Euro. Der teure erste Kilometer ist der Unterschied. München landet auf zehn Kilometern mit rund 32 Euro fast genau beim Nürnberger Wert, wie unter Taxi München nachzurechnen ist – danach fährt Nürnberg mit 2,20 Euro pro Kilometer günstiger als die Landeshauptstadt mit 2,50 Euro.

Drei echte Fahrten: Messe, Flughafen, Dokuzentrum

Alle Entfernungen hier sind meine eigenen Schätzungen über die übliche Straßenroute, die Preise stammen aus der amtlichen Tabelle, ohne Stau und ohne Zuschläge.

Hauptbahnhof → Messe (NürnbergMesse): Rund 6,5 Kilometer. Laut Tabelle 24,10 Euro. An Messetagen, wenn sich um 9 Uhr alles Richtung Langwasser schiebt, können schnell zehn Minuten Wartezeit dazukommen, also knapp sieben Euro mehr. Die U1 schafft dieselbe Strecke laut Fahrplan in acht Minuten für 3,90 Euro. Allein und ohne Messekoffer ist das Taxi hier kaum zu rechtfertigen.

Innenstadt → Flughafen: Vom Hauptmarkt sind es rund siebeneinhalb Kilometer bis zum Terminal, laut Tabelle etwa 26,30 Euro. Vom Hauptbahnhof kommen je nach Route 7,7 bis 9 Kilometer zusammen, also 26,70 bis 29,60 Euro. Das ist für einen deutschen Flughafen ungewöhnlich wenig, und genau deshalb lohnt sich hier eine andere Rechnung als in München – die steht ausführlich unter Flughafentransfer Nürnberg. Der Taxistand liegt direkt vor dem Terminal, und wie der kompakte Airport sonst aufgebaut ist, von der Ankunftshalle bis zum U-Bahn-Zugang, beschreibt der Überblick über den Flughafen Nürnberg.

Hauptbahnhof → Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände: Das Dokuzentrum an der Bayernstraße 110 liegt nur gut drei Kilometer südöstlich des Bahnhofs. Laut Tabelle 15,40 bis 15,70 Euro. Hier ist das Taxi ehrlich gesagt eine gute Option, denn die Straßenbahnlinien 6 und 8 fahren wegen Bauarbeiten derzeit nicht durchgehend bis zur Haltestelle Doku-Zentrum, es fahren Ersatzbusse (Stand September 2026). Die schnellsten Verbindungen laut Fahrplan: S-Bahn bis Dürrenhof und Bus 36, oder U1 bis Frankenstraße und Bus 65, jeweils um die 12 bis 14 Minuten mit Umstieg. Zu zweit stehen knapp acht Euro für die Bahn gegen gut 15 Euro im Taxi – für eine direkte Fahrt ohne Umstieg und Ersatzbus finde ich das vertretbar. Die neue Dauerausstellung läuft seit Mai 2026 im Probebetrieb, die offizielle Eröffnung ist für den 4. November 2026 angekündigt.

Wer mit dem eigenen Auto zur Messe oder zu einem Heimspiel am Stadion will, rechnet besser gegen einen Stellplatz am Stadtrand: welche Park-and-Ride-Plätze in Nürnberg sich dafür anbieten, steht in einem kompakten Überblick – die letzten Kilometer erledigt dann die U-Bahn.

Festpreise gibt es – aber nur nach oben

Amtliche Streckenfestpreise, wie sie Dresden zwischen Flughafen, Messe und Bahnhöfen festschreibt, hat Nürnberg nicht. Für jede Strecke läuft das Taxameter. Seit Mai 2025 gibt es aber einen Tarifkorridor, und der funktioniert anders als etwa in München oder Dresden.

Bestellst du vorher per Telefon oder App, und liegt Start oder Ziel in Nürnberg oder Stein, darf dir das Unternehmen einen Festpreis nennen. Dieser darf höchstens 25 Prozent über dem Taxameterpreis samt Zuschlägen liegen. Eine Abweichung nach unten ist ausdrücklich verboten. Dafür werden Wartezeit und Zonenzuschläge beim Festpreis nicht berechnet. Du bekommst vorab eine Bestätigung mit Preis, Zuschlägen, Datum und Uhrzeit, etwa per App, E-Mail oder SMS.

Im Klartext: Ein Nürnberger Festpreis ist nie ein Rabatt, sondern eine Stauversicherung. Beispiel Hauptbahnhof–Messe: Nach Taxameter 24,10 Euro, der Festpreis darf bis zu 30,10 Euro betragen. Das lohnt sich nur, wenn du mehr als neun Minuten Stau erwartest. An einem großen Messemorgen ist das realistisch, an einem ruhigen Dienstagnachmittag nicht. Dresden erlaubt im Korridor zehn Prozent nach unten, München ebenfalls – Nürnberg nicht. Wie diese Modelle bundesweit zusammenpassen, erkläre ich unter Taxitarife in Deutschland.

Noch eine Regel aus dem Kleingedruckten: Unterbrichst du eine Festpreisfahrt auf eigenen Wunsch für mehr als fünf Minuten, ist die Fahrt beendet und der volle Festpreis fällig.

Zuschläge, Wartezeit und Storno

Die Zuschläge sind überschaubar und fallen nur in bestimmten Fällen an:

  • Kombi (mehr Laderaum), per Telefon oder App bestellt: 3 Euro
  • Großraumtaxi für fünf bis sechs Fahrgäste, genutzt oder so bestellt: 3 Euro
  • Großraumtaxi für sieben bis acht Fahrgäste: 10 Euro
  • Rollstuhlgerechtes Fahrzeug für einen Fahrgast, der darauf angewiesen ist: 10 Euro

Der Fahrer muss dich vor Fahrtbeginn auf einen Zuschlag hinweisen. Beim bestellten Taxi sind die ersten vier Minuten Wartezeit an der Abholadresse kostenlos, danach läuft die Uhr mit 40 Euro pro Stunde. Kommt eine bestellte Fahrt aus Gründen nicht zustande, die du zu vertreten hast, zahlst du den Stand des Taxameters, mindestens aber 4,90 Euro plus eventuelle Zuschläge.

Kartenzahlung ist Pflicht: Jedes Nürnberger Taxi muss auf Wunsch Kredit- oder Debitkarten annehmen, mindestens drei gängige Kreditkarten. Der Fahrer darf dafür einen Ausweis sehen wollen. Und ist das Kartengerät kaputt, muss er dir das vor der Fahrt sagen, nicht erst am Ziel.

Ein Pflichtfahrbereich über vier Städte

Der Nürnberger Pflichtfahrbereich ist ungewöhnlich groß. Er umfasst laut Verordnung die kreisfreien Städte Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach und dazu Teile der Landkreise Ansbach, Erlangen-Höchstadt, Forchheim, Fürth, Neumarkt in der Oberpfalz, Neustadt an der Aisch–Bad Windsheim, Nürnberger Land und Roth. Die genauen Grenzen stehen auf einer Karte von 1998, die beim Ordnungsamt am Inneren Laufer Platz eingesehen werden kann. Innerhalb dieses Gebiets gilt für Nürnberger Taxis der Tarif, und der Fahrer muss dich mitnehmen.

Die Karte teilt das Gebiet in Zonen. Fährst du nur im äußeren Bereich, also weder mit Start oder Ziel in den Zonen 1 oder 2 noch durch sie hindurch, kommt ein Zonenzuschlag von 10 bis 40 Euro dazu, je nachdem, wie weit außen Start und Ziel liegen. Der Grund ist die lange Anfahrt aus der Stadt. Für Fahrten in, aus oder durch die Stadt spielt das keine Rolle, der Fahrer muss dich aber vorher auf einen Zonenzuschlag hinweisen.

Für längere Strecken hilft der Blick in die Tabelle: Die Erlanger Innenstadt liegt nach meiner Schätzung rund 22 Straßenkilometer vom Nürnberger Hauptbahnhof entfernt, das sind laut Tabelle etwa 58 Euro. Wer Entfernung und Fahrzeit ab Nürnberg in andere Orte der Region nachschlagen will, findet sie gesammelt, und multipliziert dann einfach mit 2,20 Euro ab dem fünften Kilometer.

Taxi, App oder U-Bahn

Die Zentrale der Taxi Nürnberg eG erreichst du unter 0911 19410, rund um die Uhr stehen Taxis außerdem am Flughafen. Seit Bolt im November 2024 in Nürnberg gestartet ist, spürt das Gewerbe die App-Konkurrenz deutlich; nach Branchenangaben lässt sich inzwischen rund ein Drittel der Nürnberger Taxis auch über solche Apps vermitteln. App-Preise können deutlich unter dem Taxameter liegen, schwanken aber mit der Nachfrage – vergleiche vor der Fahrt, statt dich auf einen der beiden Wege festzulegen.

Der ehrliche Vergleich ist allerdings meist nicht Taxi gegen App, sondern Taxi gegen U-Bahn. Eine Einzelfahrt in der Preisstufe A kostet 3,90 Euro am Automaten, 3,65 Euro als HandyTicket (Stand 2026). Solange du allein bist und dein Ziel an der U1, U2 oder U3 liegt, gewinnt die Bahn fast immer. Zu dritt oder viert mit Gepäck ist das Taxi auf den kurzen Nürnberger Wegen dagegen erstaunlich konkurrenzfähig.

Nürnberg ist damit eine Stadt, in der sich das Taxi vor allem für die ersten und letzten Kilometer rächt: zehn Euro für einen Kilometer sind viel, 32 Euro für zehn Kilometer sind normal, und ab dann wird jeder Kilometer günstiger als in den meisten anderen Großstädten. Einen Nachtaufschlag musst du nicht fürchten, einen Festpreis unter Taxameter wirst du nicht bekommen. Alle Beträge entsprechen dem Stand 2026 und der Verordnung, die seit 1. Juni 2026 gilt – im Zweifel hängt der Tarif im Fahrzeug aus, und den muss dir der Fahrer auf Verlangen zeigen.

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