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Taxi & Preise

Taxischein Kosten: was der P-Schein wirklich kostet

Wer als Taxi- oder Mietwagenfahrer arbeiten will, braucht den Personenbeförderungsschein. Was das an Zeit und Geld kostet, hängt stark von deiner Stadt ab — hier ist die Rechnung, Posten für Posten.

Jonas Reinhardt
Jonas Reinhardt
11. August 2026
Taxifahrer am Steuer in der Stadt
Foto: Tim Samuel / Pexels

Ein Taxischein ist kein Führerschein-Aufkleber, den du dir irgendwo abholst. Offiziell heißt das Ding Personenbeförderungsschein (P-Schein), und ohne ihn darfst du in Deutschland weder ein Taxi noch einen Mietwagen mit Fahrer gewerblich bewegen. Wer sich fragt, ob sich der Umstieg in den Fahrdienst lohnt, will als Erstes eine Zahl: Was kostet mich das, und wie lange dauert es, bis ich Fahrgäste befördern darf. Beides lässt sich beantworten, nur eben nicht mit einem einzigen bundesweiten Preis — das System ist föderal aufgeteilt wie fast alles in dieser Branche.

Was der P-Schein rechtlich ist

Grundlage ist § 48 Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) in Verbindung mit dem Personenbeförderungsgesetz (PBefG). Du brauchst den Schein, sobald du entgeltlich Personen beförderst — egal ob im Taxi, im Mietwagen mit Fahrer oder inzwischen auch bei vielen Plattform-Vermittlungen, die formal als Mietwagenverkehr laufen. Ohne Nachweis bekommst du von deiner örtlichen Fahrerlaubnisbehörde schlicht keine Erlaubnis zur Fahrgastbeförderung eingetragen, und ohne die darfst du legal keinen Cent damit verdienen.

Zuständig ist die Fahrerlaubnisbehörde deines Wohnortes, meist beim Straßenverkehrsamt oder Landratsamt angesiedelt. Die Prüfung selbst nimmt die zuständige Industrie- und Handelskammer (IHK) ab — nicht die Fahrschule, nicht der TÜV. Das ist ein Punkt, an dem viele Neueinsteiger stolpern: Ein Kurs bei einer Fahrschule bereitet dich vor, prüft dich aber nicht ab.

Die Voraussetzungen, bevor überhaupt ein Kurs beginnt

Vier Dinge musst du mitbringen, bevor die Behörde deinen Antrag überhaupt annimmt.

Mindestalter 21 Jahre und eine gültige Fahrerlaubnis der Klasse B, seit mindestens zwei Jahren im Besitz. Das ist eine der wenigen bundesweit einheitlichen Regeln in diesem Feld.

Ein ärztliches Gutachten, das deine gesundheitliche Eignung bescheinigt — Seh- und Hörvermögen, allgemeine körperliche Verfassung, ausreichend belastbares Herz-Kreislauf-System. Das kostet je nach Arzt und Region grob 70 bis 150 Euro (Stand 2026), meist beim Hausarzt oder bei einem verkehrsmedizinisch qualifizierten Arzt machbar.

Ein Auszug aus dem Bundeszentralregister und eine Auskunft aus dem Fahreignungsregister (Punktekonto in Flensburg) — beide zeigen der Behörde, dass du weder vorbestraft noch verkehrsauffällig bist. Die Gebühren liegen bei wenigen Euro pro Auszug, meist unter 15 Euro zusammen.

Eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) ist nicht für jeden fällig. Sie wird nur angeordnet, wenn deine Fahreignungsakte Auffälligkeiten zeigt — etwa erhebliche Punktebelastung, eine frühere Trunkenheitsfahrt oder ähnliche Einträge. Wer eine „saubere“ Akte hat, kommt ohne MPU durch. Wer nicht, muss mit 400 bis 800 Euro zusätzlich rechnen, je nach Anbieter und Bundesland, und mit mehreren Wochen Wartezeit auf einen Termin.

Die IHK-Prüfung: zwei Teile, unterschiedliches Gewicht

Die eigentliche Prüfung gliedert sich in zwei Blöcke, die getrennt bewertet werden.

Fachkundeprüfung deckt Verkehrsrecht (insbesondere PBefG und die zugehörigen Verordnungen), technische Grundkenntnisse zum Fahrzeug, Erste Hilfe, Verhalten in Unfall- und Gefahrensituationen sowie kaufmännisch-betriebliche Grundlagen ab, sofern du perspektivisch selbst ein Unternehmen führen willst. Sie läuft meist als schriftlicher Multiple-Choice- oder Kurzantworttest.

Ortskundeprüfung ist der Teil, der Bewerbern am meisten Respekt einflößt, und das zu Recht. Du musst zeigen, dass du die kürzesten und sinnvollsten Wege zwischen beliebigen Punkten deiner Zulassungsstadt kennst — Sehenswürdigkeiten, Behörden, Krankenhäuser, Hotels, Bahnhöfe, wichtige Veranstaltungsorte. In Großstädten wie Berlin, München oder Hamburg ist das ein ernstzunehmender Prüfungsteil mit eigener Vorbereitungszeit von mehreren Wochen. Manche Kommunen haben die Ortskundeprüfung inzwischen erleichtert oder mit Navigationssystem-Nutzung kombiniert — das ist eine der Änderungen, die die PBefG-Reform seit 2021 angestoßen hat, auch wenn die Umsetzung von Stadt zu Stadt variiert.

Die Prüfungsgebühr bei der IHK liegt für beide Teile zusammen üblicherweise zwischen 150 und 250 Euro (Stand 2026), abhängig von der jeweiligen Kammer. Nicht bestandene Teilprüfungen musst du gesondert nachbezahlen, wenn du zur Wiederholung antrittst — das ist einer der Kostenpunkte, den viele in ihrer ersten Kalkulation vergessen.

Was ein Vorbereitungskurs kostet

Verpflichtend ist ein Kurs formal nicht — du kannst dich theoretisch im Alleingang vorbereiten und direkt zur IHK-Prüfung antreten. In der Praxis macht das kaum jemand, weil vor allem die Ortskunde ohne strukturierte Vorbereitung schwer zu bestehen ist.

Fahrschulen und spezialisierte Bildungsträger bieten Vorbereitungskurse an, die die Fachkundeprüfung und die Ortskunde gemeinsam abdecken. Die Preisspanne ist groß: Kompaktkurse über wenige Wochenenden liegen bei etwa 300 bis 500 Euro, umfassendere Kurse mit Ortskunde-Training über mehrere Wochen bei 600 bis 1.200 Euro (Stand 2026), je nach Stadt, Anbieter und Kursdauer. In Ballungsräumen mit anspruchsvoller Ortskundeprüfung liegt der obere Rand realistischer als in kleineren Städten mit vereinfachtem Verfahren.

Ein Erste-Hilfe-Kurs ist in fast jedem Fall separat zu belegen und zu bezahlen, sofern er nicht bereits im IHK-Vorbereitungspaket enthalten ist. Rechne mit 35 bis 60 Euro für einen Tageskurs bei einer anerkannten Organisation.

Die Gesamtrechnung, realistisch zusammengefasst

Wenn du alle Posten addierst, für jemanden ohne MPU-Pflicht und mit einem mittleren Vorbereitungskurs:

Ärztliches Gutachten (rund 100 Euro), Registerauszüge (rund 15 Euro), Erste-Hilfe-Kurs (rund 45 Euro), Vorbereitungskurs (rund 700 Euro), IHK-Prüfungsgebühr (rund 200 Euro) — das ergibt eine Gesamtsumme von grob 1.000 bis 1.100 Euro, mit realistischer Bandbreite zwischen 700 und 1.500 Euro je nach Stadt und gewähltem Kurs. Kommt eine MPU dazu, verschiebt sich der obere Rand auf bis zu 2.000 Euro.

Zur zeitlichen Einordnung: Von der Anmeldung bis zur bestandenen Prüfung vergehen typischerweise zwei bis vier Monate, in Städten mit langer Warteliste für Ortskunde-Prüfungstermine auch länger. Wer parallel arbeitet und den Kurs berufsbegleitend absolviert, sollte eher mit dem oberen Ende dieser Spanne planen.

Was sich seit der PBefG-Reform 2021 geändert hat

Die Reform des Personenbeförderungsgesetzes, die zum August 2021 in Kraft trat, hat den Markt für Mietwagen- und Plattformverkehr geöffnet, ohne den P-Schein selbst abzuschaffen. Das ist ein Punkt, den viele missverstehen: Auch für Fahrten über Vermittlungsplattformen brauchst du weiterhin den Personenbeförderungsschein, wenn du gewerblich Personen beförderst. Die Reform hat vor allem die Zulassungsvoraussetzungen für Unternehmen geändert — etwa die Möglichkeit für Kommunen, Poolingverkehre und neue Betriebsformen zuzulassen — und einigen Städten mehr Spielraum gegeben, die Ortskundeprüfung zu modernisieren, teils mit unterstützenden Navigationssystemen statt reinem Auswendiglernen.

Für die Fahrergebühren selbst hat sich dadurch wenig verändert; die grundsätzliche Struktur aus ärztlichem Gutachten, Registerauszügen, IHK-Prüfung und optionalem Vorbereitungskurs ist stabil geblieben. Was sich verschoben hat, ist die Nachfrageseite: Weil mehr Plattformen legal Fahrer suchen, ist der P-Schein für Quereinsteiger inzwischen ein direkterer Weg in einen zweiten oder Vollzeit-Job als noch vor der Reform, gerade in Großstädten mit hoher Plattformdichte.

Wer die Kosten übernimmt — und wann es sich rechnet

Manche Taxiunternehmen und größere Mietwagenbetriebe übernehmen einen Teil oder die gesamten Kurskosten für Fahrer, die sich langfristig binden, oder bieten zinslose Vorauszahlungen an, die über die ersten Monatslöhne verrechnet werden. Das lohnt sich nachzufragen, bevor du selbst in Vorleistung gehst — gerade größere Betriebe in Städten mit Fahrermangel haben ein handfestes Interesse daran, dir die Einstiegshürde zu senken.

Rechnerisch amortisiert sich die Investition schnell: Bei einem Stundenlohn im Taxigewerbe, der je nach Stadt und Auslastung deutlich variiert, ist eine Gesamtausgabe von rund 1.000 Euro innerhalb weniger Wochen Vollzeitfahrt wieder hereingeholt. Der eigentliche Engpass ist selten das Geld, sondern die Zeit bis zum Prüfungstermin — in Städten mit hoher Nachfrage nach Prüfungsplätzen kann das die Aufnahme der Arbeit stärker verzögern als die Kursgebühr selbst.

Wer sich fragt, wie sich diese Investition gegen das rechnet, was am Ende beim Fahrgast ankommt: Die kommunal festgelegten Tarife, die dein späteres Einkommen als Taxifahrer bestimmen, erklärt der Artikel zu den Taxitarifen in Deutschland im Detail — von Grundpreis bis Zeittarif ist das die Struktur, mit der du später jeden Tag rechnest. Und wer wissen will, wie unterschiedlich das Preisniveau zwischen Städten tatsächlich ausfällt, findet in Taxi München: Preise ein konkretes Beispiel für eine der teureren deutschen Taxistädte — ein Faktor, der bei der Wahl der Zulassungsstadt für angehende Fahrer durchaus mitspielt.

Ob sich der P-Schein für dich lohnt, hängt am Ende weniger von der Kurssumme ab als davon, in welcher Stadt du arbeiten willst und wie die dortige Nachfrage nach Fahrern aussieht. Ballungsräume mit chronischem Fahrermangel bieten oft die schnellsten Einstiegswege und die größte Bereitschaft der Betriebe, bei den Kosten entgegenzukommen — kleinere Städte mit einfacherer Ortskundeprüfung dafür einen kürzeren Weg bis zur ersten bezahlten Fahrt.

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