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Taxi in Berlin: Was die Fahrt kostet und wo du draufzahlst

Berlin fährt seit Dezember 2022 nach demselben Tarif – und trotzdem kennen die wenigsten die zwei Regeln, mit denen man spürbar spart. Vom BER gilt außerdem ein anderer Tarif als in die Gegenrichtung.

Jonas Reinhardt
Jonas Reinhardt
12. August 2026 akt. 12. August 2026
Taxi im Berliner Stadtverkehr
Foto: ShaaHeel Singh / Pexels

Berlin hat einen der transparentesten Taxitarife Deutschlands. Er ist behördlich per Rechtsverordnung festgelegt, gilt in dieser Fassung seit dem 20. Dezember 2022, und kein Fahrer kann daran etwas drehen: Das Taxameter ist geeicht, der Tarif hängt in jedem Fahrzeug sichtbar aus. Was du zahlst, ist also nie Verhandlungssache.

Trotzdem steigen die meisten Leute ein, ohne zu wissen, was am Ende auf der Anzeige steht. Das liegt nicht an der Komplexität des Tarifs, sondern daran, dass es zwei, drei Regeln gibt, die man kennen muss, um sie überhaupt nutzen zu können. Wer sie nicht kennt, zahlt nicht mehr als erlaubt. Er zahlt nur mehr, als nötig gewesen wäre.

Der Tarif, Stand 2026

Die Fahrt beginnt mit einem Grundpreis von 4,30 Euro, fällig in dem Moment, in dem das Taxameter anläuft. Darin steckt bereits die erste Teilstrecke.

Danach wird gestaffelt abgerechnet – je weiter du fährst, desto günstiger der einzelne Kilometer:

StreckePreis pro Kilometer
bis 3,0 km2,80 €
von 3,0 bis 7,0 km2,60 €
ab 7,0 km2,10 €

Diese Degression ist der Grund, warum sich kurze Fahrten so teuer anfühlen und lange erstaunlich fair. Der erste Kilometer kostet dich mitsamt Grundpreis rechnerisch über sieben Euro, der zwanzigste nur noch 2,10 Euro.

Drei Beispielrechnungen, damit die Größenordnung sitzt:

  • 3 km – 4,30 € + 3 × 2,80 € = 12,70 €
  • 7 km – 4,30 € + 8,40 € + 4 × 2,60 € = 23,10 €
  • 20 km – 4,30 € + 8,40 € + 10,40 € + 13 × 2,10 € = 50,40 €

Das sind reine Fahrtkosten bei rollendem Verkehr. Steht das Taxi, läuft eine Wartezeitkomponente mit, die minutengenau abgerechnet wird. Für ihre Höhe kursieren je nach Quelle Werte zwischen 30 und 39 Euro pro Stunde; rechne im Kopf mit gut fünfzig Cent pro Minute Stillstand. Genau dieser Posten sprengt zur Rushhour jede Schätzung – auf der Frankfurter Allee kann eine Ampelphase mehr kosten als der nächste Kilometer.

Die Kurzstrecke: 6 Euro, aber nur unter einer Bedingung

Berlin hat eine Kurzstreckenregelung, die richtig gut ist – und die die meisten Leute falsch nutzen.

Bis 2 Kilometer zahlst du pauschal 6,00 Euro. Gegenüber dem regulären Tarif (4,30 € + 2 × 2,80 € = 9,90 €) sind das fast vier Euro Ersparnis auf einer Strecke, die du in zehn Minuten hinter dir hast.

Der Haken ist entscheidend: Die Kurzstrecke gilt nur, wenn du ein fahrendes Taxi auf der Straße heranwinkst. Sie gilt nicht, wenn du an einem Halteplatz einsteigst. Sie gilt nicht bei telefonischer Bestellung. Und sie gilt nicht, wenn du per App orderst.

Zwei Dinge noch dazu. Du musst sie ansagen, und zwar beim Einsteigen – „Kurzstrecke, bitte“ plus Ziel. Wer erst am Ziel danach fragt, hat kein Anrecht mehr darauf, denn das Taxameter lief regulär. Und die zwei Kilometer sind hart: Wird die Strecke länger, gilt der normale Tarif für die gesamte Fahrt. Bei 2,3 Kilometern zahlst du also nicht sechs Euro plus etwas, sondern den vollen regulären Preis.

Praktisch heißt das: Wenn du vor einem Hotel stehst und zwei Stationen weiter willst, geh die zwanzig Meter bis zur Straße und winke, statt am Stand einzusteigen. Das ist der einzige Trick in diesem Text, der bei jeder einzelnen kurzen Fahrt Geld spart.

Vom BER gilt ein anderer Tarif als zum BER

Das ist der Punkt, den fast alle Ratgeber falsch darstellen, meiner eigenen früheren Fassung inklusive: Für Fahrten ab dem Flughafen BER gilt nicht der Stadttarif, sondern eine eigene Tarifstufe 3.

Stadttarif (Stufe 2)ab BER (Stufe 3)
Grundpreis4,30 €4,30 €
erste Kilometer2,80 € (bis 3 km)2,60 € (bis 5 km)
danach2,60 € / 2,10 €2,00 € ab 5 km

Dazu kommt am Vorfahrtsbereich des BER ein Zuschlag von 1,50 Euro.

Der Effekt ist gegenläufig zu dem, was man erwartet: Der Flughafentarif ist auf der langen Strecke günstiger als der Stadttarif. Für 30 Kilometer vom BER in die Innenstadt kommst du auf 4,30 € + 5 × 2,60 € + 25 × 2,00 € = 67,30 Euro plus 1,50 Euro Zuschlag. Dieselben 30 Kilometer nach Stadttarif wären 71,40 Euro. Der Flughafenzuschlag ist also kein Aufschlag, sondern Teil einer Rechnung, die unterm Strich etwas niedriger ausfällt.

Wichtig ist die Richtung: Stufe 3 gilt ab dem Flughafen, nicht zu ihm. Fährst du morgens aus Mitte zum BER, läuft der normale Stadttarif. Realistisch landest du zwischen Innenstadt und BER je nach Startpunkt und Verkehr bei 50 bis 65 Euro.

Ob sich das lohnt, hängt an der Personenzahl. Allein und mit Zeit fährst du mit dem Flughafenexpress oder der S9 für einen Bruchteil. Zu zweit oder zu dritt mit Gepäck kippt die Rechnung schnell zugunsten des Taxis, besonders vor sechs Uhr morgens. Die Rechnung für andere Flughäfen steht unter Flughafentransfer.

Festpreis: planbar, nicht billiger

Seit Juni 2024 darfst du Fahrten in Berlin auch zum Festpreis buchen – vorausgesetzt, du bestellst vor, telefonisch bei einer Zentrale oder per App. Der vereinbarte Preis muss sich in einem Korridor von −10 % bis +20 % um den regulären Taxameterpreis bewegen.

Das ist die entscheidende Zahl, und sie wird gern überlesen: Ein Festpreis ist keine Garantie für einen günstigeren Preis. Er ist eine Garantie für Planbarkeit.

Lohnen tut er sich in zwei Fällen. Bei Staugefahr – auf einer Strecke, die zur Rushhour zäh ist, schlägt ein Festpreis am oberen Ende des Korridors immer noch die Taxameterfahrt mit zwanzig Minuten Standzeit. Und wenn du abrechnen musst: Für eine Reisekostenabrechnung ist ein vorher bekannter Betrag mehr wert als ein paar Euro Ersparnis. Bei freier Fahrt auf langer Strecke gewinnt dagegen fast immer das Taxameter mit seiner Degression.

Was extra kostet – und was ausdrücklich nicht

Der Berliner Tarif ist bei den Zuschlägen erfreulich knapp:

  • 5. bis 8. Fahrgast: ein einmaliger Zuschlag, je nach Quelle mit 5 bis 6 Euro ausgewiesen. Solche Großraumwagen musst du vorbestellen, am Halteplatz stehen sie selten.
  • Beleg- oder Rechnungsverfahren: 1,50 Euro.
  • BER-Vorfahrt: 1,50 Euro.

Und die andere Seite, die genauso wichtig ist: Kartenzahlung, Gepäck im Kofferraum, Kinderwagen, Rollstühle und Tiere kosten in Berlin nichts extra. Wenn dir jemand am Ziel einen Gepäckzuschlag aufschreiben will, ist das nicht der Tarif. Sperriges Gut, das nicht in den Kofferraum passt, ist der einzige Grenzfall, für den ein kleiner Betrag pro Stück auftauchen kann.

Der Quittungsanspruch ist gesetzlich: Auf Verlangen bekommst du immer einen Beleg, notfalls handschriftlich.

Taxi, App-Dienst oder BVG

In Berlin konkurriert das Taxi mit Uber, Bolt und FreeNow. Der wichtigste Unterschied ist kein preislicher, sondern ein regulatorischer: Das Taxi hat einen genehmigten Festtarif, Mietwagendienste haben ihn nicht.

Daraus folgt der Rest. App-Preise schwanken mit der Nachfrage – bei Regen, nach Konzertende, an Messetagen, zu Silvester. Für die Strecke Mitte–BER liegen sie bei normaler Lage oft bei 35 bis 45 Euro und damit unter dem Taxi; bei Surge kehrt sich das binnen Minuten um. Der Taxitarif tut das nie. Er ist dienstagmittags bei Sonne derselbe wie um drei Uhr nachts im Dezember.

Praktisch: Bei normaler Nachfrage sind die App-Dienste auf mittleren Strecken häufig etwas günstiger. Bei Spitzenlast ist das Taxi zuverlässig die billigere und meist die schneller verfügbare Option – am Halteplatz vor dem Bahnhof steht fast immer eines. Und auf kurzen Strecken gewinnt es über die Kurzstrecke ohnehin, sofern du es heranwinkst. Wie sich das in anderen Städten verhält, steht unter Taxi & Preise; für feste Fahrer und Stundenbuchungen lohnt der Blick auf Chauffeur & Shuttle.

Bleibt die BVG. Für eine Einzelfahrt zahlst du dort einen Bruchteil, und im dichten Innenstadtnetz bist du auf vielen Strecken kaum langsamer. Ehrlich gesagt lohnt sich ein Taxi in Berlin vor allem dann, wenn du Gepäck hast, zu mehreren bist, nachts unterwegs bist oder eine Verbindung brauchst, die quer zum Netz läuft.

Zum Trinkgeld: Üblich ist das Aufrunden auf den nächsten vollen Euro, bei längeren Fahrten fünf bis zehn Prozent. Verpflichtend ist nichts davon.

Wie sich dieser Tarif gegen die App-Angebote schlägt, rechne ich unter Uber oder Taxi in Berlin durch.

Ein Flughafen, an dem die Gruppenkarte das Taxi schlägt, ist Stuttgart; die Rechnung steht unter Flughafentransfer Stuttgart.

Wie Sie tatsächlich ein Taxi bekommen, statt nur den Preis zu kennen — Zentralen, Apps und Halteplätze im Vergleich — steht unter Taxi Berlin bestellen.

Eine Stadt mit einem seit Dezember 2024 grundlegend reformierten Festpreissystem ist Frankfurt, beschrieben unter Taxi Frankfurt.

Wie sich der amtliche Tarif und die Festpreisstrecken einer anderen Millionenstadt darstellen, steht unter Taxi München Preise.

Alle genannten Beträge entsprechen dem Stand 2026. Der Tarif wird per Rechtsverordnung angepasst, meist mit Vorlauf und öffentlicher Debatte – ein Blick auf den Aushang im Fahrzeug schadet trotzdem nie. Zwei Sachen reichen für den Alltag: kurze Strecken heranwinken statt am Stand einsteigen, und beim BER daran denken, dass die Rückfahrt nach einem anderen Tarif läuft als die Hinfahrt.

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